Exkursion zu Bayer Health Care

Was habt ihr am 30.05.2012 morgens um 8:15 Uhr gemacht? Vermutlich haben die meisten noch geschlafen, da an diesem Tag schulfrei war. Nicht so allerdings wir 19 Bioschüler aus der EF. Wir saßen um diese Uhrzeit schon in Bus, Auto oder auf dem Rad und waren unterwegs zu Bayer Health Care in Monheim. Treffpunkt war der Besuchereingang des Bayer-Campus. Als mit 10-minütiger Verspätung auch die Letzten eingetrudelt waren, erhielt jeder von uns einen Besucherausweis und wir wurden quer über das Gelände zum Gebäude von Bayer Animal Health geführt. An dieser Stelle kurz etwas zum Gelände für die Leser, die noch nie dort waren: es ist ziemlich groß und man kann sich ohne Probleme innerhalb weniger Minuten darauf verlaufen.

 Zum Glück verirrte sich niemand und dank einer freundlichen jungen Frau kamen wir vollzählig in einer Art Konferenzraum an. Wir hatten uns schon vor der Exkursion einige Gedanken dazu gemacht und unsere größten Bedenken kreisten um die angekündigten Versuchstiere, aber nach der Einführung zum Thema unseres Ausflugs, der Parasitologie, hatten wir erst mal andere Sorgen. Der Schrecken ließ auch nicht lange warten und damit meine ich keinesfalls die Kartoffelsack ähnlichen Besucherkittel. Ausgerechnet meine Gruppe hatte das Vergnügen, als erstes die Abteilung zur Erforschung und Bekämpfung von Zecken und Flöhen zu besichtigen. Wir betraten das Labor mit einer Mischung aus Interesse und Abscheu, denn in jedem Glas und jeder Schale kreuchte und fleuchte es. Die Anspannung ließ langsam nach, während wir einige Flöhe unter einem Binokular betrachteten. Dieser Zustand hielt aber nur solange an, bis unsere Blicke zu einem Herrn in einer Ecke des Labors schweiften, der fröhlich über einem Tisch mit mehreren hundert freilaufenden Zecken brütete, welche nur der beheizte Rand des Tisches davon abhielt, zu flüchten, einige büchsten dann aber trotzdem aus, glücklicherweise erst bei der nächsten Gruppe. Im nächsten Zeckenlabor fanden Tests mit schon vollgesogenen Parasiten statt. Wenn man ihnen nämlich ein Präparat spritzt, kann man ganz leicht daran feststellen, dass es gewirkt hat, wenn sie keine Eier mehr legen, weil sie dann tot sind. Bei den größten Zecken handelte es sich um Kuh-Zecken aus Südamerika, im vollgesogenen Zustand mit einem Durchmesser von circa 2 cm. Dann durften wir selber ran: Gummihandschuhe an, Spritze aufziehen, vollgesogene Zecke aussuchen (allerdings eine kleinere Art) und Substanz injizieren. Ich gehe davon aus, dass noch keiner von euch eine vollgesogene Zecke in der Hand hatte, geschweige denn ihr eine Spritze gegeben hat, deshalb etwas aus eigener Erfahrung: die Zecke ist sehr leicht und glatt, daher muss man sie gut festhalten, damit sie nicht wegflutscht. Die Haut einer Zecke ist ziemlich elastisch, wodurch sie nicht platzen kann, und man darf sich nicht erschrecken, wenn man die Haut plötzlich durchsticht.

Nach dem Nervenkitzel im Zeckenlabor ging es ein weinig entspannter weiter. Zum einen schauten wir uns ein Labor an, in dem das Zusammenwirken verschiedener Proben getestet wurde und wir mit einer Achter-Pipette Probepaletten befüllen konnten, zum anderen zählten wir die Parasiteneier in einer stark verdünnten und schon mehrmals vorgefilterten Kotprobe unter einem Mikroskop. Die entsprechenden Würmer bekamen wir auch gleich zu Gesicht, beispielsweise Spul- oder Bandwürmer, im Gegensatzt zu den Zecken jedoch in einem gut verschlossenen Glas in Alkohol eingelegt. Je nach Wurmart sind die Eier unterschiedlich groß und somit auch unterschiedlich schwer zu zählen. Im Anschluss lernten wir das dazugehörige Verfahren kennen. Hierbei wird eine gewisse Menge Kot, zum Beispiel 2g, abgewogen. Danach fügt der Forscher einige Milliliter gesättigte Kochsalzlösung hinzu und mixt das ganze gut mit einem Pürierstab durch. Jetzt nur noch kurz filtern und nach Belieben weiter mit gesättigter Kochsalzlösung verdünnen – fertig! Die Kochsalzlösung ist gesättigt, damit die Eier unterm Mikroskop in der Probe oben schwimmen und sich besser sehen und zählen lassen.

Die Laborbesichtigung endete und es folgte das Mittagessen. Die Mensa bei Bayer ist echt klasse, besonders wenn man eine Gästekarte erhält, womit es gratis „All-you-can-eat“ gibt. Zur Verfügung standen nicht nur die übliche Currywurst mit Pommes, sondern auch Thailändisches, Salat, zahlreiche Desserts und Kuchen.

Satt und zufrieden verließen wir die Cafeteria nach einer Stunde wieder und liefen zu den Tierställen. Wir wurden diesmal nicht nur mit einem „schicken“ weißen Besucherkittel, sondern auch noch mit ein paar dekorativen blau-weißen Schuhüberzügen ausgestattet. Kurze Zeit später konnten sich einige der 20 Tierpfleger dann über 19 Teenager im Schlumpf-Look lustig machen, die die Ställe durchquerten. Diese sind gar nicht so schlimm, wie man sich Ställe für Versuchstiere vorstellt. Die Hunde und Katzen leben in Gruppen zusammen und haben Gehege wie in einem Tierheim, die Rinder leben ebenfalls in kleinen Gruppen und man kann sich ihre Gehege ungefähr so vorstellen, wie die Innenställe auf einem Bauernhof, die man manchmal im Fernsehen sieht. Sowie Hunde als auch Rinder dürfen nach draußen, alle Tiere kommen im Alter von etwa 6 bis 12 Monaten zu Bayer Animal Health und bleiben dann für etwa ein Jahr Versuchstiere. Insgesamt gibt es ungefähr 30 Rinder, 20 Kälber, 107 Hunde, 170 Katzen, außerdem noch Schafe, Kaninchen, und Hühner auf einer Fläche von 4900m². Nur wenige Tiere, überwiegend Kühe, bleiben länger und dienen zur Zeckenzucht. Flöhe werden im Labor ohne Wirt gezüchtet; bei den Zecken funktioniert das aufgrund ihrer vielen Entwicklungsstadien noch nicht, obwohl daran gearbeitet wird.

Die Abschlussdiskussion verlief recht schnell, da keiner mehr Fragen hatte. Die Gruppe bekam einen groben Überblick über die einzelnen Stationen von der Idee für ein Medikament bis zu seiner Zulassung. Zu guter Letzt gab es noch ein bisschen Werbung für den Beruf des Tierarztes bei Bayer von einem Tierarzt bei Bayer, bevor wir den Campus verließen und uns auf den Heimweg machten.

Fazit: Unser Tag bei Bayer Animal Health war interessant und voller Erlebnisse und Eindrücke, die man nicht so schnell wieder vergisst!