Geld, Hochzeiten und Intrige

"Buddenbrooks" der Q1 - großartige Texte und erstklassige Schauspielkunst

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Ein stinkreicher Vater, eine unerträglich gut erzogene Mutter, ein ruhmsüchtiger Sohn, dessen lebensfremder und kindsköpfiger Bruder und eine Tochter, die zwei mal heiratet und sich gleich sofort zwei mal scheiden lässt. Wovon ist hier nur die Rede? Es handelt sich um nichts geringeres als um die Inszenierung des Romans „Die Buddenbrooks" von Thomas Mann durch den Literaturkurs der Q1, geleitet von Frau Schröder und Frau Krämer.

Die Aula des OHG war noch nie so voll gewesen. Es schienen die gesamte Oberstufe, mindestens die Hälfte des Lehrerkollegiums und noch viele weitere Menschen gekommen zu sein, um sich das Kulturereignis des Jahres anzuschauen. Einen Sitzplatz zu finden wurde zu einem kleinen Abenteuer, welches auch Indiana Jones zu schaffen gemacht hätte. Blickte man auf die Bühne der Aula, so erkannte man eine Hollywoodschaukel und einen Boxring. Ansonsten war die Bühne kahl.

Das Licht verblasst, die Türen schließen sich und der Saal wird still. Das Warten auf das Licht der Bühnenscheinwerfer stellt sich schnell als sinnlos heraus, denn zwei Personen betreten den Raum, ausgestattet mit Taschenlampen. „Habt ihr irgendwo ein Buch gesehen?" Die zwei zwielichtigen Gestalten suchen also ein Buch, das irgendwo im Zuschauerraum sein soll. Erst jetzt erkennt der Großteil der gespannten Zuschauer, dass das Stück bereits begonnen hat. Es wird gesucht und gesucht. Hinter mir tuschelt eine Frau amüsiert: „Kein Wunder, dass das Stück drei Stunden dauert, wenn die Leute eine halbe Stunde lang ein Buch suchen!"
Doch schließlich taucht das Buch auf und die Scheinwerfer gehen an. Die Hollywoodschaukel glänzt im grellen Schein der Lichter. Auf der Bühne steht ein Mann, mit Krawatte, Anzug und auf Hochglanz polierten Schuhen. Die Bühne teilt er sich mit einer Frau, die ein weißes Hemd trägt und ihre Lippen knallrot geschminkt hat. Das heiß gesuchte Buch befindet sich ebenfalls auf der Bühne. Schnell stellt sich heraus, dass das Buch das Familienbuch der reichen Familie Buddenbrook ist und Mann und Frau auf der Bühne Angehörige dieser Familie sind. Aus den Gesprächen hört man heraus, dass die Familie den höchsten Stellenwert in der Gesellschaft der Buddenbrooks einnimmt. In den darauf folgenden Szenen lernt man zudem den Vater, das Oberhaupt der Familie, und seine hochadelige Frau kennen.
Immer wieder entstehen Spannungen und Konflikte innerhalb der Familie. So muss die Tochter Antonie, von allen herzlich Tony genannt, einen wahrlich widerwärtigen Geschäftsmann heiraten, da ihr Vater dadurch finanzielle Vorteile für die Familie sieht. Es sei angemerkt, dass die Rolle des Geschäftsmannes, Grünlich sein Name, mich über das ganze Stück hinweg an Gollum aus der Herr der Ringe Trilogie erinnerte. Als der Vater verstirbt, erbt der älteste Sohn Tom die Verantwortung für die Familie und zerbricht allmählich an seiner Ruhm- und Geldsucht. Keine wirklich gute Hilfe ist dem armen Tom dabei sein kindlicher Bruder Christian, der nur das tut, was ihm gefällt, nichts ernst nimmt und den ein oder anderen psychopatischen Tick hat. Am Ende zerbricht die gesamte Familie bitterlich, nicht zuletzt wegen des Todes der Mutter und der Skandale, die Tony durch Scheidungen und Neuvermählungen auslöst.
Die Gestaltung des Theaterstückes war sowohl kreativ als auch genial. Saß die Familie mehr oder weniger gemütlich zusammen, nahmen die Schauspieler auf der Hollywoodschaukel Platz, gab es dagegen Streit oder Konflikte, so wurden diese im Boxring ausgetragen. Ein weiteres, durchaus kreatives Mittel des Literaturkurses war die Splittung von Personen auf mehrere Schauspieler. Antonie wurde von 15 Schülerinnen dargestellt, ihr anstößiger Ehemann Grünlich dagegen von fünf Leuten. Die wohl am schwierigste Rolle war jedoch die des Tom. Keine Splittung auf mehrere Schauspieler und sehr viel Sprechtext. Trotz dieser hohen Komplexität wurde Tom überaus gut von Lucas Mijic dargestellt. Unantastbar war jedoch die Performance des Christian, göttlich dargestellt durch Ulas Cengiz und Inthavah Phomkhoumphon. Tauchte diese Person auf der Bühne auf, konnte sich der Saal nicht mehr halten. Die Verrücktheit dieser Figur war einfach so genial und so perfekt gespielt, dass das Lachen der Zuschauer noch bis zur nächste Szene anhielt.
Ein gelungener Theaterabend. Wer ihn verpasst hat, sollte die Chance ergreifen und sich die zweite Aufführung am 02. Juli 2013 ansehen.