Von Enten und Herzbluttigern

Motivation 1

Donnerstagabend, 18:30 - Abendessenszeit, aber ich muss zu einem Vortrag in die Schule - Markus Lennackers referiert über Motivation oder so ähnlich. Ich gebe mir einen Ruck und werde gleich zu Beginn des Vortrages mindestens fünf mal gefragt, ob ich gezwungenermaßen hier bin. Für die Antwort muss ich aufzeigen. Und nicht nur bei dieser Frage, man muss ständig aufzeigen. Und man ergänzt auch ständig die Satzenden des Vortragenden. Mitmachtheater?
Dies ist wohl kein Vortrag im üblichen Sinn. Markus Lennackers dirigiert sein Publikum scheinbar mühelos und ungeheuer engagiert und sichert sich so Aufmerksamkeit über mehr als 90 Minuten. Und der ehemalige Pastakoch und Trainer in der Systemgastronomie, der normalerweise in großen Firmen Motivationsvorträge hält, hat einiges zu sagen. Am glaubwürdigsten und beeindruckendsten ist er, wenn er von sich und seinem Weg und Situationen aus seinem Leben erzählt. 

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Auf der Bühne und in seinem Leben geht es um das Miteinander. Dabei bemüht er symbolische Beispiele aus der Tierwelt, um auf bestimmte Personengruppen hinzuweisen: gackernde, dominante Enten, die einem immer aufdrücken wollen, was angeblich richtig ist, oder Muscheln, die sich eher treiben lassen und nur selten die Initiative ergreifen (alle kennen Beispiele und zeigen auf Nachfrage auf). Oder eben Babytiger und Herzbluttiger - voller Energie, Neugier und Selbstbewusstsein. Und so geht es weniger um Fakten, sondern um Herz und Emotionen. Seine Botschaft ist einfach, aber nicht trivial: Wer oder was hält dich eigentlich von deinen Zielen oder Träumen ab, raubt dir den Mut und die Energie? Wer oder was tut dir gut, ermutigt dich in deinen Vorhaben und unterstützt dich?
Am Ende geht man nachdenklich, beseelt, optimistisch oder fröhlich aus der Veranstaltung. Oder um es mit Lennackers anfänglichem metaphorischem Versprechen auszudrücken: Wie in einem Supermarkt macht jeder seinen Einkaufswagen voll mit dem was er braucht oder was einem gefällt - und ist glücklich. 
Er hat nicht zu viel versprochen.

Birgit Montag